frühe Geschichte der Gitarre, Laute und Geige
yonton-Verlag Rainer Nowotny


Vorbetrachtung: Gegenstand, Ort und Zeit


Die erste Laute
Die Laute im Alten Orient
Siegeszug der Spießlaute
Siegeszug der Pandura
Siegeszug der Ud (al Ud)
Die Laute in Europa
Import der Pandura
Ausbreitung der Tambur
Symbiose von Leier und Laute
Anfang und Aufstieg der Fiedel
Import der Ud
Etablierung der Lira da braccio
Herausbildung der Gitarre
Konsolidierung der Violin/Violen
Zu den Dynastien
Ausgewählte Probleme und Hypothesen
Quellenverzeichnis


Nach oben Vorbetrachtung

Der Gegenstand
Wenn sich diese Abhandlung mit alten Gitarren, Lauten, Fiedeln und deren Vorgängern beschäftigen will, so steht die Frage nach dem Spektrum, dessen Einheit und dessen Abgrenzung. Der Gegenstand sei bestimmt durch die Klasse derjenigen Instrumente, die hier im einzelnen betrachtet werden. So sollen also die in dieser Historie behandelten Instrumente Vertreter einer gemeinsamen Familie sein. Was sie vereint, ist die Aufteilung ihres Körpers in Hals-Griffbrett, Resonanzkörper und Besaitung. Bei den Streichinstrumenten beschränken sich die Ausführungen auf das eigentliche Instrument. Die Entwicklung des Streichbogens findet im Grunde kaum Beachtung.Da nun die großen, kleinen, dicken und dünnen Saiteninstrumente der genannten Art so unter einen Hut gebracht wurden, muss auch ein Sammelbegriff her. Dieser sei "Laute". Bei der Verwendung des Begriffes Laute muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass hier nicht die Renaissancelaute und auch nicht Nachfolger der Renaissancelaute, die oftmals einfach als Laute bezeichnet werden, gemeint sind, sondern der umfassende Sammelbegriff.

Wie sich herausstellen wird, sind die frühen Fiedeln nichts anderes, als gestrichene Lauten. Sie müssen sich erst von den Lauten trennen, sich von der Lauten-Familie abspalten, um als eigene Familie zu existieren.
Beschrieben wird primär die bauliche Entwicklung der Instrumente. Die Frage, was gespielt wurde, ist weitestgehend von Ungewissheit umgeben. Hier kann allenfalls die Phantasie weiterhelfen. Doch soll darauf im weiteren verzichtet werden.
Befriedigende Informationen über die Lautenmusik sind uns erst zugänglich, so eine Notation existierte, die uns heute noch verständlich ist. Dies jedoch gilt erst für die Tabulaturen und Notationen, die sich im europäischen Spätmittelalter herausbildeten. Jedoch bleibt hier ein Bezug darauf unberücksichtigt. Ebenso gilt das für Fragestellungen nach Interpreten, Schulen o.ä.


Ort und Zeit
Das Hauptaugenmerk der folgenden Untersuchungen soll der europäischen Lautenentwicklung gelten. Da jedoch der Alte Orient auf die europäische Kultur und speziell auf die europäische Musik so fundamentalen Einfluss übte, gebührt ihm unbedingt Aufmerksamkeit.Was aber umfasst den Orient, das Morgenland? Aus inhaltlichen Gründen sei nicht nur der eigentliche (Süd-)Osten, sondern auch das Niltal (Ägypten) und die nordafrikanischen Mittelmeergebiete einbezogen. Andererseits sei der sogenannte Ferne Osten, jenseits des persischen Hochlandes, aus der Betrachtung ausgeschlossen. Die Lautenentwicklung im Alten Orient wird jedoch nicht detailliert behandelt. Es sei daran genüge, nur die globalen und fundamentalen Etappen vorzustellen.

Auf welche Zeitspanne erstreckt sich die Untersuchung? Eine Instrumententwicklung beginnt für die Geschichtsschreibung mit dem frühest datierten Dokument.Die frühe Geschichte der Lauten endet in dieser Abhandlung, so sich in Europa die Zünfte der Lauten- und Geigenbauer bilden (etwa 16.Jh.).
Quellenverzeichnis:
Eine Historie beschreibt das Wann und Wie einer Bewegung.
Hingegen bleibt eine Historie gegenstandslos, solange eine nähere Bestimmung der Bewegungssubjekte fehlt. Eine Einigung über die Begriffe erst kann das Verständnis eröffnen. Zwar liegt nun die frühe Geschichte der Lautenfamilie vor, aber die ausgezeichneten Vertreter der Laute, die da Spießlaute, Pandura, Ud, Tambur usw. heißen, werden im Vergleich beschreiben, nicht aber näher definiert.
Es ist wohl nur schwer möglich, für die hier behandelten Begriffe eine exakte Definition zu suchen, die alle Objekte zur Auswahl antreten lässt, um a priori ihre Zugehörigkeit zu ermessen. Vielmehr ist es sinnvoll mit einer typoralen Begriffsdefinition zu arbeiten, die beispielhafte Vertreter (Prototypen) auszeichnet, um mit allgemeinen Kriterien des Vergleiches a posteriori andere Objekte in den Begriff zu betten, oder eben nicht. Auch schon zu Beginn der Abhandlung wird auf eine exakte Definition der allgemeinen Familie Laute verzichtet.
Hauptsächlicher Grund dafür sind zwei Probleme:
1. Problem der Grenzfälle,
2. Problem der Vielfalt bzw. der ungewollten oder zu nachlässigen Beschränktheit.
So ist es allemal besser mit Prototypen den Begriff zu fassen und auf Kriterien der "guten" Vergleiche, die in unserem Fall auf natürliche Art dem menschlichen Urteil zugestanden werden, zu bauen.



Nach oben Die erste Laute

Aller Anfang liegt im Dunkeln. Die Frage, wann und wo die erste Laute erfunden, gebaut oder
entwickelt wurde, ist schier unbeantwortbar. Ebenso gilt das für Saiteninstrumente überhaupt. Weitläufig wird die Lautenentstehung mit der Theorie des modulierten Jagdbogens befriedigt. Der Jagdbogen wäre zuerst. Dann entdeckte jemand beim Zupfen des gespannten Bogens die Klangerzeugung. Der Jagdbogen wurde zu einer "primitiven Harfe" umfunktioniert. Entweder durch das Zufügen einer zweiten (Darm-)Saite, oder durch das In-Verbindung-Bringen mit einem Resonator erfand man, so die Theorie, die Vorgänger der Harfe, der Leier und der Laute. Diese Theorie ist jedoch sehr fragwürdig. Ein primitives Saiteninstrument benötigt kein gleichmäßig starkes, biegsames Holz, um etwa einen Pfeil gezielt abzuschießen. Es genügen irgend zwei arretierte Punkte. Zudem ist der Jagdbogen erst funktional, wenn er groß ist. Die Tonerzeugung einer schwingenden Saite ist offensichtlich.
Das Spielen und Experimentieren aber dem Menschen, ja der Natur überhaupt eigen; auch ein musikalisches Gefühl. Warum sollte also die Benutzung einer gespannten Saite zum Musizieren nicht vor der Pfeilabschussfunktion bekannt gewesen sein? Eilt die Erfindung modernerer Produktionsmittel dem Musischen voraus?
größer größer größer größer Die bislang ältesten Hinweise auf eine Laute überhaupt, die den Archäologen sogleich als älteste Nachweise dienen, stammen aus dem Zweistromland (Mesopotamien) der (semitischen) Akkadherrschaft (2350-2170 v.u.Z.). Soweit die Reliefdarstellungen erkennen lassen, handelt es sich um 2-saitige Langhalslauten mit sehr kleinen Resonatoren (siehe Quellenverzeichnis). Vielmehr kann man den Darstellungen nicht entnehmen. Vor diesen ersten Lautenhinweisen gab es in sumerischer Zeit bereits Harfen und Leiern. Das Musizieren auf Saiteninstrumenten scheint demnach bereits einigen Vorlauf gehabt zu haben.


Nach oben Die Laute im Alten Orient

Die Laute tritt im Orient drei als fundamental zu bezeichnende Siegeszüge an.



Nach oben Der Siegeszug der Spießlaute

größer größer Die Lauten als Instrumentenfamilie könnten ihren Ursprung, wie oben erwähnt, in Mesopotamien gehabt haben. Etwa aus der Zeit der ersten babylonischen Dynastie (1894-1595 v.u.Z.) fanden sich dann des öfteren Darstellungen, auf denen meist nackte Männer häufig beim Marschieren Langhalslauten mit kleinen runden Resonatoren spielen. Der Aufbau war einfach, ein langer Hals - ein Stab - und ein kleiner rundlicher Resonator. Zwei Darmsaiten wurden oben und unten angeknüpft, der Hals diente gleichzeitig als Griffbrett.
größer größer größer In Ägypten tauchte die Laute seit spätestens der XVIII. Dynastie (1551-1305 v.u.Z.) auf. Noch aus dem Mittleren Reich Ägyptens fehlten jegliche Anhaltspunkte. Das Neue Reich hingegen hinterließ nicht nur zahlenmäßig viele, sondern auch inhaltlich aufschlussreiche Hinweise der Nachwelt.Zur Konstruktion dieser Lauten. Ein kleiner hohler Resonator war mit einem Tierfell bezogen, durch welches ein Stab (Hals) durchgespießt wurde. Am Hals, der unten über den Schallkörper ragte, wurden die meist 2 selten 3 Saiten angeknüpft, oben um das Halsende gewunden und festgezurrt, so dass die Saitenenden einfach herunterhingen. Der Steg stand auswechselbar auf dem Tierfell, der Hals diente als Griffbrett.So erfasst der Siegeszug dieser Spießlaute Ägypten, wo der Instrumentenneuling eine außerordentliche Popularität erlangte. Es bildeten sich alsbald zwei ägyptische Standardformen heraus.Die erste Standardform benutzte einen Schildkrötenpanzer als Resonator, der mit rotgefärbtem Pergament bezogen war. Ein erhaltenes Exemplar misst eine Länge von 62 cm (siehe Quellenverzeichnis). Frauen begleiteten sich auf der Schildkrötenlaute zum Tanz oder spielten im Orchester mit anderen Instrumenten.Der Korpus der zweiten Standardspießlaute Ägyptens war langgestreckt, mandelförmig und hölzern. Der aus einem Stück geschnitzte Holzkorpus wirkt im Verhältnis zur Gesamtlänge der Laute dennoch sehr klein. Man kann davon ausgehen, dass diese Mandellauten samt sonders alle länger als 1m waren. Sie wurden oft von Männern u.a. zur Gesangsbegleitung gespielt.Als Grabbeilage überdauerten Darmsaiten von ca. 1mm Durchmesser die Zeit (siehe Quellenverzeichnis). Generell wurden Holzplektren benutzt.Die pergamentene Decke wies in der Regel parallel zur Saitenführung zwei Reihen von je drei kleinen Schallöchern auf. Die am oberen Halsende herunterhängenden Saitenenden wurden gelegentlich mit Trotteln verziert.

größer größer Die Spießlaute verbreitete sich seit Mitte des 2. Jahrtausend nahezu im gesamten Orient in unterschiedlichsten Größen und Formen. Kassitische Lauten (Mesopotamien 14. Jh. v.u.Z.) z.B. hatten einen eckigen Schallkörper, der einem abgerundeten Kasten ähnelte. Eine hethitische Spießlautendarstellung deutet eine Korpustaille an. Allen war die primitive Saitenbefestigung, die pergamentene Decke, der auswechselbare Steg und die Hals-Korpustrennung gemein. Es gab grundsätzlich zwei Varianten der Halsbefestigung. Entweder wurde er durch die Decke gefädelt, oder durch den Korpus gespießt.Die Ausbreitung der Spießlaute war vielfältig, durch die Varianten des innerorientalischen Kulturaustausches begünstigt.
Das Spektrum reicht da vom Handel, friedlichen Kontakten und Reisen, bis hin zu Kriegen, Völkerwanderungen, ja sogar Zwangsumsiedlungen ganzer Völkerschaften. Über viele dieser Wege, die hier nicht im einzelnen behandelt werden sollen, vollzog sich der Siegeszug der Spießlaute.



Nach oben Der Siegeszug der Pandura

größer größer größer In oder nach dem 6. Jahrhundert v.u.Z. etablierte sich eine neue Laute, die Pandura, die eine neue Etappe der Instrumentenentwicklung einleitete. Die fundamentale Neuerung an dieser Pandura ist, dass ihr Hals entweder starr am Korpus befestigt (geleimt) war, oder direkt in ihn über ging, also Hals und Korpus aus einem Stück gefertigt wurden. Des weiteren wurden zum Befestigen und Spannen der Saiten Wirbel benutzt. Diese Wirbel, hölzerne runde Stifte, an einem Ende eine daumenbreite Abplattung, saßen festdrehbar in oberhalb des Griffbretts befindlichen Löchern.Als sekundäres Merkmal der Pandura erweist sich die grazilere Form. Der Hals ist oft nicht länger als der Resonator.
Prototypen, die noch heute sehr verbreitet sind, besaßen und besitzen drei bis vier Saiten. Wann und wo der Siegeszug der Pandura begann, ist spekulativ, da sich archäologische Anhaltspunkte aus dieser Zeit zu diesem Thema rar machen. Behauptung: Das Pandurainstrument kristallisierte sich im achämenidischen Weltreich der Perser (550-331 v.u.Z.) heraus. Hatten im Assyrischen Reich (Mesopotamien bis etwa 612 v.u.Z.) die bis zu zwanzigsaitigen Bogenharfen eine unangefochtene Vorrangstellung, so ist diese in seleukidischer Zeit (323-140 v.u.Z.) in Vorderasien durch die Beliebtheit der Pandura negiert. Für diese Behauptung steht, dass aus früherer Zeit keine diesbezüglichen Darstellungen bekannt sind, spätestens aber seit dem 3. Jahrhundert v.u.Z. Panduradarstellungen in vielen von den Persern besetzten oder benachbarten Gebieten auftauchen. Ihr Reich erstreckte sich von Zentralasien bis ans Ägäische Meer. Bereits aus dem 4. Jahrhundert v.u.Z. z.B. zeigen Statuen aus dem bis dahin lautenlosen Griechenland Prototypen von Panduren (siehe Quellenverzeichnis /europäische Pandura).Eine entsprechende aus Afrasiab (Mittelasien), wie Griechenland mit dem Perserreich konfrontiert, ist auf das 4.-3. Jahrhundert v.u.Z. datiert (siehe Quellenverzeichnis). Deutlich zeigt sie die starre Verbindung von Hals und Korpus. Obschon es im Prinzip keine direkten Nachweise von Panduren der Achämeniden gibt, spricht jedoch auch die Tatsache, dass in anderen Gebieten des Orients auch bei anderen Saiteninstrumenten wie Leiern, Harfen, Hackbrettern u.ä. Wirbelbefestigungen unbekannt bleiben, diese erst von den Panduren übernommen wurden, und zwar nach dem 4. Jahrhundert v.u.Z., für die oben genannte Behauptung.Folglich begann der Siegeszug der Pandura im ersten Perserreich, erstreckte sich bald über den gesamten Orient.

größer größer größer Prototypen der Pandura sind vielfältig in ihrer Korpusform, runde, halbzylindrige oder eckige Resonatoren mit kontinuierlichem oder abruptem Halsansatz. Die Spannung der Saiten, die oben am Hals und unten am Korpus Halt fanden, stellte gerade für geleimte Hals-Korpusverbindungen besondere Ansprüche. Dies scheint auch der hauptsächliche Grund dafür zu sein, dass die Panduren im Verhältnis zu den Spießlauten kleiner bzw. kürzer sind. Vorzüglich war die Decke ein dünnes Holzbrettchen. Eine solches auf den Resonatorboden aufgeleimtes Holz ermöglichte die Benutzung eines Querriegels, der seinerseits auf die Decke geleimt wurde. In einem solchen Querriegel vereinte sich Steg und Saitenhalterung. Jedoch nicht alle Panduren hatten solchen Querriegel. Wenn Resonanzkörper und Hals aus einem Stück geschnitzt waren, konnte bei längeren Exemplaren gelegentlich der Hals aus zwei Teilen zusammengefügt sein. Die Wirbel, generell aus Holz, waren nicht nur einfache Stifte, mit denen die Saiten festgesteckt wurden, sondern sie dienten vor allem dem Stimmen der Saiten und mussten demnach drehbar gelagert sein. Die Saitenenden wurden um die Wirbel, die ja nur zur Hälfte in dem verlängerten Hals staken, gewickelt. Damit war es jederzeit möglich, die Saitenspannung zu verändern, oder zu korrigieren.Bei den für gewöhnlich benutzten Flankenwirbeln befanden sich die Windungen stets außerhalb, also seitlich des Halses bzw. der Wirbelhalterung, nicht innerhalb eines Kastens. Insofern kann noch nicht von einer geschlossenen Wirbelmechanik gesprochen werden.

größer Einen besonderen Typ der Pandura stellen Kerblauten aus dem koptischen Ägypten (5.-8. Jh. u.Z.) dar. Diese wahrscheinlich von christlichen Mönchen gefertigten Instrumente besaßen kleine schlanke Resonatoren. Zum Halsansatz verjüngten sich diese in Form einer breiten Ringkerbe. Etwa zur halben Länge wiesen die halbzylindrigen Schallkörper beidseitig nahezu halbkreisförmige Einkerbungen auf (siehe Quellenverzeichnis). Diese Kerben verleihen den koptischen Panduren eine künstliche Taille.Diese koptischen Kerbpanduren gelten bislang als die ersten Lauten, deren spontane Einschnürung, gekantete Taillierung des Schallkörpers, ein bewusstes Anliegen der Instrumentenbauer war.




Nach oben Der Siegeszug der Ud

größer größer Die Stellung der bauchigen Kurzhalslaute in vorislamischer Zeit ist umstritten. Einige glauben sie als Importe aus dem Fernen Osten, andere als seltene Abarten von vorderasiatischen Panduren, die den populären Prototypen gegenüberstanden. Die Quellen (siehe Quellenverzeichnis) scheinen für ein indisches Vorbild der großen bauchigen Laute zu sprechen. Der kurze Hals ist eine Konsequenz des länger gewordenen Resonators. Seit dem 6. Jahrhundert u.Z., gewann sie im sassanidischen Iran an Bedeutung. Die wenigen Hinweise künden doch von einer neuen Qualität des Lautenbaues. Unberücksichtigt bleibt hier, ob diese vom indischen Musikleben importiert oder inspiriert, oder aber eine iranische Entwicklung war.Hier etablierte sich die Ud - auch al-awd oder al-u'd. Die Ud zeichnet ein großer, meist birnenförmiger Schallkörper, weiterhin ein relativ kurzer Hals und ein nach hinten gezogener, gezimmerter Wirbelkasten aus. Damit diente als Wirbelhalterung nicht mehr nur ein Stück verlängerter Hals, sondern ein eigenständiges Teil, dessen Hauptfunktion eine vorteilhafte Bedienung der Wirbelmechanik war, sich deutlich vom Hals absetzte. Geknickte Hälse, wie auf den sassanidischen Silberschalen, sind in ihrer Deutung zweifellos als Wirbelkästen interpretierbar (siehe Quellenverzeichnis). Solch Kasten wurde extra gefertigt und dann an das Halsende angesetzt.Die Größe der bauchigen Schallkörper erlauben es nicht, dass diese Resonatoren aus einem Stück geschnitzt hätten sein können, sie wären zu instabil gewesen. So waren sie mit Sicherheit aus verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt bzw. gezimmert.

größer größer größergrößerPersien wurde 651 u.Z. von den Arabern erobert und islamisiert. Am Anfang des 8. Jahrhundert war nun der Islam, der im Grunde die bis dahin unterworfenen Kulturkreise des Orients in sich aufnahm und in gewisser Hinsicht vereinheitlichte, bis an den Atlantik und bis in die zentralasiatischen Steppen vorgedrungen. Mit ihm auch diese bauchige Knickhalslaute mit dem breiten kurzen Hals.Somit begann der Siegeszug der Ud im Iran des 6. Jahrhundert, und er wurde alsbald von der Ausbreitung des Islams trotz seiner doch so widersprüchlichen Beziehung zur Musik nicht nur begleitet, sondern auch getragen.

Die generell mit dem Plektrum gespielte Ud ist insgesamt größer als z.B. die Pandura. Der gewölbte, bauchige Boden war aus gebogenen aneinandergefügten Holzleisten bzw. Längsspänen geleimt. Am unteren Ende des Bodens, an dem die Längsspäne sich meridianartig treffen, konnte zur Stabilisierung ein Kanes angebracht werden. Ein solcher zusätzlicher Holzspan in Querrichtung, der hauptsächlich haltgebende Funktion hatte, war oft auch ein Ziergut. Konstruktionszeichnungen der Ud (siehe Quellenverzeichnis) z.B. besagen, dass die Korpustiefe die halbe Korpusbreite erreichte. Die Decke, die bald länglich, bald rund, immer aber von konvexem Charakter war, wurde mit allerlei phantasievollen Schallöffnungen versehen.
Für die Schallöffnungen gab es drei bevorzugte Motive. Zum ersten ist die klassische Rosette, ein gitterartiges Schnitzwerk, zu nennen, zum zweiten geflammte Zierspalte, schmale Öffnungen, die in Längsrichtung unterschiedliche Krümmungen vollziehen, und zum dritten die Querornamentik, perpendikular zur Saitenführung und von rechteckigem Grundriss.
Die Prototypen der Ud besaßen 5 bis 7 Saiten. Später erhöhte sich die Zahl, teilweise zugunsten der Doppelchörigkeit. Für die untere Saitenbefestigung gab es zwei Varianten. Entweder wurde, wie schon bei einigen Panduren, ein Querriegel auf die Decke geleimt, oder der Kanes, in solchen Fällen über den Deckenrand hinausführend, nahm die Saitenhalterfunktion ein. Dann musste ein Steg zusätzlich auf der Decke postiert werden.

größerDie obere Saitenbefestigung ruhte, wie bereits erwähnt in einem Wirbelkasten (Kopf). Durch die Seitenwände dieses Kastens wurden die Wirbel gesteckt, im Inneren die Saitenenden um die Wirbel gewickelt. Diese begünstigen einerseits eine Vergrößerung der Saitenzahl, andererseits auch eine tiefere Stimmung bzw. eine Erweiterung des Tonumfanges in die tieferen Oktaven.Zwei Möglichkeiten der Kopfform traten in Erscheinung. Der schlanke trapezförmige, im großen Winkel angeknickte Kasten (Knickhals) war sicherlich immer gezimmert. Nicht unbedingt dagegen der geschwungene, teilweise mit geschnitzten Motiven versehene, mitunter nur leicht nach hinten gebogene Kopf.

Große arabische Gelehrte des Mittelalters, u.a. Avicenna (980-1037), beschrieben die Ud. Von al-Farabi (87O-950) z.B. wird die Ud ( bei ihm hieß sie tunbur hurasani) zum auserwählten Instrument nominiert, an welchem er den tonalen Raum fixierte. Mittels einer Stimmungskorrektur (Berechnung der Bundabstände) erkor er sie aus, sich von den heidnischen Instrumenten abzusetzen.


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